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Kastoreum: Was wissen wir über diese natürliche Substanz?

Was ist Kastoreum und warum wird darüber mehr gesprochen, als Sie erwarten würden?

Wenn man "natürliches Aroma" sagt, denken die meisten Menschen an Vanille, Zitrusfrüchte oder vielleicht Lavendel. Doch nur wenige würden darauf kommen, dass eines dieser Aromen eine Substanz namens Kastoreum sein könnte, die aus dem Körper eines Bibers stammt. Ja, Sie haben richtig gelesen – eines Bibers. Und auch wenn es wie der Anfang einer bizarren Geschichte klingt, ist die Wahrheit noch seltsamer als die Fiktion.

Kastoreum: Was ist das eigentlich?

Kastoreum ist eine ölige, stark duftende Substanz, die Biber aus den sogenannten Kastorbeuteln in der Nähe ihrer Analdrüsen absondern. Zusammen mit Urin verwenden sie es zur Markierung ihres Territoriums. In der Natur hat es also eine ganz praktische Funktion – andere Biber auf Distanz zu halten und ihr Gebiet zu schützen. Für den Menschen hat diese Substanz jedoch eine ganz andere Nutzung.

In der Vergangenheit wurde Kastoreum häufig in der Parfümerie, in der Medizin und sogar als Lebensmittelzusatz verwendet – insbesondere als Aromastoff für Vanille- oder Himbeeraromen. In den USA wurde es beispielsweise offiziell als natürliche Zutat zur Herstellung von Lebensmitteln und Getränken geführt. Diese Tatsache ließ erneut Besorgnis und Faszination unter den Menschen aufkommen, als Berichte darüber kursierten, dass in einigen Süßigkeiten oder Eissorten „heimlich" Bibersekret verwendet wird.

Und was ist daran wahr?

Kastoreum in Lebensmitteln? Theoretisch ja, praktisch fast nicht mehr

Die Reaktion der Öffentlichkeit auf die Erkenntnis, dass Biberkastoreum Teil einiger Lebensmittel ist (oder war), war verständlicherweise gemischt. Für die meisten Menschen ist die Vorstellung, etwas aus dem Körper eines wilden Tieres zu essen – noch dazu aus einem so intimen Teil – mindestens unappetitlich. Fakt ist jedoch, dass Kastoreum tatsächlich als Lebensmittelzusatz zugelassen wurde.

Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) führte es beispielsweise lange als sicher für den Verzehr in kleinen Mengen, bezeichnet als "natürliches Aroma". In der Europäischen Union ist seine Verwendung in Lebensmitteln rechtlich erlaubt, aber für den allgemeinen Gebrauch extrem unpraktisch und teuer.

Und hier liegt der Schlüssel zu diesem Rätsel: Die Gewinnung von Kastoreum ist nicht einfach. Sie erfordert, dass der Biber gefangen (oder getötet), die Substanz extrahiert und anschließend verarbeitet wird. Angesichts des Naturschutzes, ethischer Fragen und Kosten wird Kastoreum heute fast nicht mehr verwendet – jedenfalls nicht in der Massenproduktion von Lebensmitteln. Die meisten Hersteller sind auf synthetisch hergestellte Alternativen umgestiegen, die billiger, ethischer und leichter verfügbar sind.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Kastoreum völlig verschwunden ist.

Wo wird Kastoreum heute noch verwendet?

Heute findet sich Kastoreum eher in der Luxusparfümerie, wo es für seinen tiefen, erdigen, moschusartigen Ton geschätzt wird. Genau dieser Duft verleiht bestimmten Parfums eine sanfte, sinnliche Basis, die an Leder, Waldboden oder sogar Tabak erinnert. Parfümeure verwenden es sehr sparsam – oft nur als Bestandteil der sogenannten Basisnoten der Komposition.

Im klassischen Parfüm Chanel Cuir de Russie oder in älteren Versionen von Guerlain-Parfüms war Kastoreum eine der charakteristischen Komponenten. Heute wird es jedoch auch in dieser Branche meist durch synthetische Ersatzstoffe ersetzt, die sein aromatisches Profil nachahmen können, ohne tierischen Ursprungs zu sein.

In der Medizin hat Kastoreum kaum noch Verwendung, obwohl es historisch zur Behandlung von Kopfschmerzen, Hysterie oder Epilepsie eingesetzt wurde. In der Volksmedizin hatte es den Ruf eines Allheilmittels – was wohl auch dazu beigetragen hat, dass Biber in einigen Regionen fast ausgerottet wurden.

Ein Mythos, der fortbesteht

Obwohl Kastoreum heute praktisch nicht mehr in der Lebensmittelindustrie verwendet wird, verbreitet sich der Mythos über seine Präsenz in Bonbons oder Eiscreme weiterhin. Oft taucht er in Artikeln der Art „10 Dinge, die Sie essen und nicht wissen, was tatsächlich darin ist" auf, oder als Clickbait-Sensation in sozialen Medien. Wie viele andere ähnliche Geschichten basiert er jedoch auf einer Wahrheit, die heute nicht mehr der Realität entspricht.

Einer der Hauptgründe, warum Kastoreum nicht in die breitere Lebensmittelindustrie gelangte, ist seine geringe Verfügbarkeit. Die natürliche Substanz von Bibern zu gewinnen, ist nicht nur mühsam, sondern auch durch Tierschutzgesetze eingeschränkt. Die moderne Industrie orientiert sich einfach an Effizienz – und Kastoreum passt nicht in diese Gleichung.

Ein Praxisbeispiel - Ein Parfum, das nach Wald riecht

Im Jahr 2017 brachte eine unabhängige Parfümmarke aus Kanada einen Duft auf den Markt, inspiriert von den Waldlandschaften Nordamerikas. Das Parfum sollte an den Geruch von Moos, Nadelbäumen, nassem Holz und auch... Biber erinnern. Der Hersteller entschied sich, echtes Kastoreum zu verwenden, was auch in der Zutatenliste angegeben war. Die Reaktionen der Kunden waren gemischt – einige waren fasziniert von der Authentizität und dem natürlichen Charakter der Komposition, andere reagierten mit Abneigung. Dennoch wurde das Parfum zur Kuriosität und zum Anziehungspunkt für Parfümliebhaber, die ungewöhnliche und historisch getreue Düfte suchen.

Dieses Beispiel zeigt, wie selbst heute eine so alte Substanz wie Kastoreum ein modernes Publikum faszinieren kann – wenn sie mit Respekt und Bewusstsein eingesetzt wird.

Ethik vs. Tradition

Die Diskussion um Kastoreum berührt oft ein größeres Thema – nämlich die ethische Nutzung tierischer Produkte in Kosmetik und Lebensmittelindustrie. Wie bei Moschus, Lanolin oder Karmin (Farbstoff aus Cochenilleläusen) stellt sich auch hier die Frage: Brauchen wir das noch?

In einer Zeit, in der wir über ausgeklügelte synthetische Alternativen verfügen, die billiger, nachhaltig und ethisch unbedenklich sind, entscheiden sich immer mehr Unternehmen für cruelty-free Produktion. Kastoreum wird so eher zu einem Relikt der Vergangenheit als zu einem aktiven Bestandteil der modernen Industrie.

Und dennoch kann es für einige immer noch ein Symbol traditionellen Handwerks, ein Duft alter Zeiten und ein Beweis dafür sein, wie originell und manchmal unerwartet die Natur die menschliche Kreativität inspirieren kann.

Wie die Parfümeurin Mandy Aftel, bekannt für ihre Arbeit mit natürlichen Rohstoffen, sagt:
„Natürliche Düfte haben eine Geschichte – und Geschichten berühren die Seele."

Und genau so eine Geschichte ist die von Kastoreum: eine Geschichte, die sich von Biberburgen bis zu eleganten Flakons auf Parfümregalen zieht.

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