Animal Flow bringt dem Körper natürliche und gesunde Bewegung zurück
Stellen Sie sich ein Training vor, bei dem Sie sich wie eine Krabbe bewegen, wie eine Schlange kriechen, wie ein Affe springen und dabei den gesamten Körper auf eine Weise trainieren, die ein traditionelles Fitnessstudio niemals bieten kann. Genau das ist Animal Flow – eine Bewegungsdisziplin, die in den letzten Jahren Fitnessstudios auf der ganzen Welt erobert und immer mehr Anhänger gewinnt, auch unter denen, die sich selbst nie als Sportler betrachtet haben. Dabei handelt es sich keineswegs um eine Modeerscheinung, die kommt und nach ein paar Monaten wieder verschwindet. Animal Flow hat feste Wurzeln in der Biomechanik der menschlichen Bewegung, in Bewegungsmustern, die unsere Körper von jeher kennen – wir haben sie nur ein wenig vergessen.
Der Gründer der Disziplin, Mike Fitch, entwickelte Animal Flow im Jahr 2010 als ein System von Bewegungen, inspiriert von der Bewegung von Tieren, aber aufgebaut auf den Prinzipien des funktionellen Trainings, der Kalisthenics und der Bewegungsakrobatik. Sein Ziel war es nicht, nur ein weiteres Trainingsprogramm zu schaffen – er wollte den Menschen die natürliche Bewegung zurückgeben, die der moderne sitzende Lebensstil systematisch zerstört. Und das Ergebnis? Ein System, das Kraft, Mobilität, Koordination, Gleichgewicht und kardiovaskuläre Fitness gleichzeitig entwickelt, ohne ein einziges Stück Ausrüstung.
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Warum sich wie ein Tier bewegen?
Auf den ersten Blick mag die Idee, sich als erwachsener Mensch auf allen vieren zu bewegen, etwas absurd erscheinen. Aber man muss nur beobachten, wie sich kleine Kinder bewegen, und man versteht, worum es bei Animal Flow geht. Kinder krabbeln, kriechen, springen, rollen auf dem Boden und bauen dabei Bewegungsmuster auf, die die Grundlage eines gesunden funktionellen Körpers bilden. Dann kommen Schule, sitzende Arbeit, und die Bewegungsvielfalt reduziert sich auf den Weg vom Auto ins Büro und zurück. Animal Flow kehrt diesen Weg um.
Die wissenschaftliche Grundlage ist dabei solide. Bewegung auf allen vieren, die sogenannte quadrupede Bewegung, aktiviert Muskelketten quer durch den gesamten Körper auf eine Weise, die isolierte Übungen schlicht nicht ermöglichen. Forschungen im Bereich der Bewegungswissenschaft zeigen wiederholt, dass Training, das auf Bewegungsmuster statt auf isolierte Muskeln ausgerichtet ist, zu einer besseren Kraftübertragung auf alltägliche Aktivitäten führt und das Verletzungsrisiko senkt. Das Portal Healthline weist beispielsweise seit Langem darauf hin, dass funktionelles Training mit dem eigenen Körpergewicht und Bewegungsmustern für die langfristige Gesundheit des Bewegungsapparats effektiver ist als klassisches Training an Maschinen.
Animal Flow arbeitet mit sechs Hauptkomponenten: Übergänge in Bodenpositionen (Wrist Mobilizations), Aktivierungen (Activations), tierische Bewegungsformen (Animal Forms), Fortbewegungen (Traveling Forms), Wechsel (Switches and Transitions) und freie Sequenzen (Flows). Jedes dieser Elemente erfüllt eine spezifische Funktion, aber erst ihre Kombination erzeugt jene charakteristische fließende Bewegung, die eher an improvisiertes Tanzen als an klassisches Training erinnert.
Die grundlegenden Tierformen, aus denen das gesamte System aufgebaut ist, umfassen beispielsweise den Krabbengang, der die Schulter- und Wirbelsäulenstabilisatoren intensiv trainiert, oder den Bärengang, der die Koordination gegenüberliegender Gliedmaßen und das tiefe Stabilisierungssystem trainiert. Die Eidechse (Lizard) entwickelt die Mobilität der Hüften und der Brustwirbelsäule, während der Gorilla explosive Beinkraft und Koordination aufbaut. Jede Form hat dabei Dutzende von Varianten, von grundlegenden bis zu fortgeschrittenen, sodass Animal Flow gleichermaßen für absolute Anfänger wie für erfahrene Sportler geeignet ist.
Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Jana, eine Vierzigjährige, die als Grafikerin arbeitet, verbrachte täglich acht bis zehn Stunden am Computer. Rückenschmerzen, steife Hüften und allgemeine Erschöpfung waren ihr täglicher Begleiter. Klassisches Krafttraining langweilte sie, und Yoga befriedigte sie bewegungsmäßig nicht ausreichend. Dann stieß sie auf eine Animal Flow-Stunde in einem lokalen Studio. Nach drei Monaten regelmäßigem Training dreimal pro Woche verschwanden die Rückenschmerzen, die Hüften gewannen einen Bewegungsumfang zurück, den sie seit der Kindheit nicht mehr kannten, und Jana gibt zu, dass sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben auf das Training freut. Eine Geschichte wie aus der Werbung? Vielleicht – aber ähnliche Erfahrungen gibt es tausendfach, und ihre Grundlage ist logisch: Der Körper bekam die Bewegung, die er wirklich braucht.
Komplettes Training ohne Fitnessstudio
Einer der größten Vorteile von Animal Flow ist seine Zugänglichkeit. Zum Training genügen eine Matte, gegebenenfalls ein Teppich oder Gras, und der eigene Körper. Keine Hanteln, keine Kraftmaschinen, keine teure Ausrüstung. Das macht Animal Flow zum idealen Training für diejenigen, die reisen, von zu Hause aus arbeiten oder einfach keine Zeit haben, regelmäßig ein Fitnessstudio zu besuchen.
Wie kann aber Bewegung ohne Gewichte einen ausreichenden Kraftreiz liefern? Die Antwort liegt in der Mechanik der Bewegungen. Der Krabbengang in seiner fortgeschrittenen Ausführung stellt enorme Anforderungen an die Schulter- und Schulterblattmuskeln auf eine Weise, die nur weniges nachahmen kann. Die Eidechsenbewegung in vollem Umfang testet die Mobilität und Kraft des Hüftbeugers bis an seine Grenzen. Und der sogenannte Beast Hold – die Grundposition von Animal Flow, bei der der Körper waagerecht liegt mit den Knien knapp über dem Boden – aktiviert das tiefe Stabilisierungssystem der Wirbelsäule intensiver als die meisten klassischen Core-Übungen. Wie Mike Fitch selbst in einem Interview sagte: „Bewegung ist das beste Medikament, das Sie immer bei sich haben."
Die kardiovaskuläre Komponente des Trainings kommt natürlich mit der Länge und Intensität der Sequenz. Eine fließende Abfolge tierischer Bewegungen ohne Pause über zwanzig bis dreißig Minuten stellt eine solide aerobe Belastung dar, die sich subjektiv jedoch ganz anders anfühlt als Laufen auf dem Laufband. Die Aufmerksamkeit ist nämlich ständig auf die Koordination der Bewegung gerichtet, sodass die Erschöpfung eintritt, ohne dass der Übende sie bewusst wahrnimmt.
Mobilität ist vielleicht der größte Trumpf von Animal Flow. Während im klassischen Fitnessstudio Mobilität in der Regel als Bonus am Ende des Trainings behandelt wird – ein paar Dehnübungen, für die am Ende keine Zeit mehr bleibt – ist Mobilität bei Animal Flow direkt in die Bewegung integriert. Jeder Übergang zwischen den Formen arbeitet mit den Extrempositionen der Gelenke und erweitert so schrittweise deren Bewegungsumfang. Studien, die beispielsweise im Journal of Strength and Conditioning Research veröffentlicht wurden, bestätigen wiederholt, dass dynamische Mobilität, die in Bewegungssequenzen integriert ist, für die Verbesserung des Gelenkbewegungsumfangs effektiver ist als statisches Dehnen.
Für Menschen mit sitzenden Berufen ist besonders die Arbeit mit der Brustwirbelsäule und den Hüften wertvoll – zwei Bereiche, die durch den sitzenden Lebensstil am meisten leiden. Animal Flow trainiert diese Bereiche systematisch in jeder Einheit, und zwar auf eine Weise, die sich für den Körper natürlich und ungezwungen anfühlt.
Eines der Dinge, die Animal Flow besonders machen, ist seine neuronale Anforderung. Die Bewegungen erfordern die Verbindung der rechten und linken Körperhälfte, die Koordination von oberen und unteren Gliedmaßen, räumliche Orientierung und ständige Anpassung an Gewichtsverlagerungen. All das aktiviert das Gehirn auf eine Weise, die monotone Wiederholungen an Kraftmaschinen nicht bieten. Neuroplastizität – die Fähigkeit des Gehirns, neue neuronale Verbindungen zu schaffen – entwickelt sich nach verfügbaren Forschungsergebnissen genau beim Erlernen neuer komplexer Bewegungsmuster. Animal Flow ist somit nicht nur ein Training für den Körper, sondern gewissermaßen auch ein Training für das Gehirn.
Die Gemeinschaft rund um Animal Flow ist dabei bemerkenswert inklusiv. Im Gegensatz zu vielen Fitnesstrends, die implizit auf junge und bereits körperlich fitte Personen ausgerichtet sind, bietet Animal Flow Modifikationen für praktisch jede Bewegung. Anfänger arbeiten mit einfachen Formen und kürzeren Sequenzen, fortgeschrittene Übende fügen komplexe Übergänge, Rotationen und luftige Elemente hinzu. Die Altersspanne der aktiven Übenden reicht von Kindern bis zu Senioren – und das allein spricht für die Universalität des Ansatzes.
Interessant ist auch die Beziehung von Animal Flow zu anderen Bewegungsdisziplinen. Viele Yoga-Praktizierende stellen fest, dass Animal Flow ihnen hilft, statische Positionen in dynamische Bewegung zu übertragen. Kampfsportler und Sportler finden in Animal Flow ein Werkzeug zur Entwicklung von Bewegungsintelligenz und zur Verletzungsprävention. Tänzer schätzen die Flüssigkeit und das Körperbewusstsein, das die Disziplin entwickelt. Animal Flow wird so zu einer Art Bewegungs-Esperanto – einer Sprache, die jeder versteht, der bereit ist, auf seinen eigenen Körper zu hören.
Praktisch gesehen: Wie fängt man an? Der beste Weg führt über einen zertifizierten Animal Flow-Instruktor, von denen es in Deutschland immer mehr gibt. Alternativ kann man mit Online-Materialien direkt von Mike Fitch auf seiner offiziellen Animal Flow-Website beginnen, wo Video-Tutorials für verschiedene Niveaus verfügbar sind. Wichtig ist es, zu Beginn die Aufwärmung der Handgelenke nicht zu unterschätzen – diese tragen bei Animal Flow eine ungewöhnliche Belastung und brauchen Zeit zur Anpassung. Ebenso wichtig ist es, mit fortgeschrittenen Formen nicht zu eilen und den grundlegenden Bewegungsmustern genügend Zeit zu widmen, bis sie automatisch werden.
Die Ausrüstung ist minimal, aber dennoch erwähnenswert: Eine qualitativ hochwertige Matte mit ausreichendem Schutz für Handgelenke und Knie macht das Training deutlich angenehmer, besonders am Anfang. Manche Übende bevorzugen den Barefoot-Ansatz auf natürlichen Oberflächen, andere schätzen leichte Handschuhe zum Schutz der Handflächen. Mit zunehmender Übung passt sich der Körper an und diese Hilfsmittel verlieren an Bedeutung.
Animal Flow ist keine Revolution in der Bewegung – es ist eher eine Rückkehr zu ihr. In einer Zeit, in der der durchschnittliche Erwachsene laut Daten der Weltgesundheitsorganisation mehr als neun Stunden täglich im Sitzen verbringt, bringt eine Disziplin, die dem Körper seine natürliche Bewegungsvielfalt zurückgibt, etwas wirklich Wertvolles. Es ist nicht nur Training – es ist eine Erinnerung daran, wozu der menschliche Körper geschaffen wurde. Und vielleicht genau deshalb, wenn es zum ersten Mal gelingt, drei Tierformen fließend zu einer Sequenz zu verbinden und der Körper sich genau so bewegt, wie er soll, kommt ein Gefühl, das man anderswo nur schwer findet: das Gefühl, dass Bewegung Freude ist, keine Pflicht.