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# Was bedeutet Pfeifen in den Ohren und warum wird es abends stärker Pfeifen, Klingeln oder Rausche

Die meisten Menschen haben es mindestens einmal erlebt – sie legen sich ins Bett, schließen die Augen und bemerken plötzlich ein unangenehmes Geräusch. Ein Pfeifen, Summen oder Klingeln in den Ohren, das sie tagsüber vielleicht überhaupt nicht wahrgenommen haben. Doch warum tritt dieses Phänomen ausgerechnet abends so deutlich auf, und was sagt es uns eigentlich über unsere Gesundheit? Die Antworten sind überraschend komplex und berühren nicht nur den Zustand des Gehörs, sondern auch den allgemeinen Lebensstil, das Stressniveau und die Qualität der Umgebung, in der wir leben.

Fachlich wird dieser Zustand als Tinnitus bezeichnet – es handelt sich um die Wahrnehmung eines Geräusches, das keine äußere Quelle hat. Laut der Weltgesundheitsorganisation leiden weltweit über 1,5 Milliarden Menschen an verschiedenen Formen von Hörproblemen, wobei Tinnitus zu den verbreitetsten Hörbeschwerden überhaupt gehört. Dennoch wissen viele Menschen nicht, warum das Pfeifen in den Ohren abends schlimmer wird oder warum es überhaupt auftritt.


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Warum ist das Pfeifen in den Ohren abends stärker?

Die Antwort liegt in einer scheinbar einfachen Tatsache: Tagsüber sind wir von Lärm umgeben. Das Treiben auf der Straße, Gespräche bei der Arbeit, Musik, Fernsehen – all diese Geräusche überlagern den Tinnitus unbewusst, und das Gehirn nimmt ihn schlicht nicht wahr. Sobald jedoch die abendliche Stille eintritt, verschwindet der Klanghintergrund, und das Pfeifen, das den ganzen Tag präsent war, tritt plötzlich in den Vordergrund. Es geht also nicht darum, dass der Tinnitus abends objektiv lauter wäre – es geht darum, dass er schließlich keine Konkurrenz mehr hat.

Das ist auch der Grund, warum Menschen mit Tinnitus so häufig angeben, dass ihr größtes Problem nicht das Geräusch selbst ist, sondern die Unfähigkeit einzuschlafen. Das Gehirn hat in Stille und Dunkelheit nichts anderes, worauf es seine Aufmerksamkeit richten könnte, und konzentriert sich daher auf dieses innere Rauschen. Es entsteht ein Teufelskreis: Je mehr sich der Mensch auf das Pfeifen konzentriert, desto mehr nimmt er es wahr, desto mehr stresst es ihn – und Stress selbst verstärkt den Tinnitus noch weiter.

Hinzu kommt auch eine physiologische Dimension. Abends kommt es zu Veränderungen des Blutdrucks und der Durchblutung, der Körper wechselt in den Regenerationsmodus und das Nervensystem stellt sich um. Bei manchen Menschen bewirken genau diese Veränderungen, dass ein pulsierendes oder rhythmisches Pfeifen in den Ohren abends ausgeprägter ist als tagsüber. Diese Art von Tinnitus, bezeichnet als pulsatiler Tinnitus, kann ein Anzeichen für Veränderungen im Gefäßsystem sein und sollte unbedingt mit einem Arzt besprochen werden.

Die Ursachen für das Pfeifen in den Ohren sind vielfältig. Zu den häufigsten gehört die langfristige Lärmexposition – sei es durch einen lauten Arbeitsplatz, regelmäßige Konzertbesuche oder zu laute Musik über Kopfhörer. Beschädigte Haarzellen im Innenohr senden verzerrte Signale an das Gehirn, die das Gehirn als Geräusch interpretiert, das in Wirklichkeit nicht existiert. Genau deshalb ist der Gehörschutz so entscheidend – die Schädigung der Haarzellen ist nämlich irreversibel.

Weitere Auslöser können verstopfte Ohren durch angesammeltes Ohrenschmalz sein, Mittelohrentzündungen, Druckveränderungen (zum Beispiel nach einem Flug oder beim Tauchen), aber auch die Einnahme bestimmter Medikamente. Aspirin in hohen Dosen, bestimmte Antibiotika oder Chemotherapeutika sind für ihre ototoxischen Wirkungen bekannt – also für ihre Fähigkeit, den Gehörapparat zu schädigen.

Auch der Einfluss der Psyche darf nicht übersehen werden. Angst und chronischer Stress gehören zu den häufigsten Auslösern oder Verstärkern von Tinnitus. Es ist kein Zufall, dass viele Menschen das Pfeifen in den Ohren erstmals in Phasen hoher beruflicher oder persönlicher Belastung bemerken. Wie der britische Audiologe David Baguley sagte: „Tinnitus ist nicht nur ein Hörproblem – es ist ein Problem des ganzen Menschen." Diese Perspektive erklärt, warum eine alleinige Behandlung des Gehörs nicht ausreicht und warum es notwendig ist, Tinnitus ganzheitlich anzugehen.

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Wann ist das Pfeifen in den Ohren ein Signal, dass es Zeit ist, Hilfe zu suchen?

Ein einmaliges Pfeifen in den Ohren nach einem lauten Konzert oder nach längerem Aufenthalt in einer lauten Umgebung ist normal und klingt in der Regel innerhalb weniger Stunden oder Tage von selbst ab. Beunruhigend ist jedoch ein Pfeifen, das länger als eine Woche anhält, das sich allmählich verschlechtert oder das von weiteren Symptomen begleitet wird – Schwindel, Ohrenschmerzen, einem Völlegefühl im Ohr oder Hörverlust.

Besondere Aufmerksamkeit verdient einseitiger Tinnitus, also Pfeifen nur in einem Ohr. Dieser kann in manchen Fällen ein Anzeichen für eine ernstere Erkrankung sein, wie zum Beispiel ein Akustikusneurinom – ein gutartiger Tumor des Hörnervs. Obwohl es sich um eine relativ seltene Erkrankung handelt, ist ihre frühzeitige Erkennung entscheidend. Jeder, der unter einseitigem oder pulsatilem Pfeifen in den Ohren leidet, sollte einen HNO-Arzt aufsuchen und eine audiologische Untersuchung durchführen lassen.

Stellen Sie sich eine sehr typische Situation vor: Ein Vierzigjähriger, der in einem Open-Space-Büro arbeitet, den ganzen Tag Musik über Kopfhörer auf voller Lautstärke hört, um den Umgebungslärm zu übertönen. Abend für Abend liegt er im Bett und kann wegen eines unangenehmen Pfeifens nicht einschlafen. Tagsüber nimmt er es nicht wahr – aber sobald Stille eintritt, ist das Geräusch unerträglich. Dabei kann die Lösung überraschend einfach sein: die Lautstärke der Kopfhörer auf unter 60 % der maximalen Lautstärke zu reduzieren und ihre Nutzung auf maximal ein bis zwei Stunden täglich zu begrenzen. Genau diese Empfehlung hat die American Academy of Otolaryngology als Teil der Präventionsmaßnahmen gegen Hörschäden herausgegeben.

Die Behandlung von Tinnitus hängt von seiner Ursache ab. Handelt es sich um angesammeltes Ohrenschmalz, reicht dessen professionelle Entfernung beim Arzt – und das Pfeifen hört sofort auf. Bei einer Infektion werden Antibiotika oder entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. In Fällen, in denen Tinnitus keine klar behandelbare Ursache hat, wird die sogenannte Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) angewendet – eine Methode, die das Gehirn schrittweise darin trainiert, innere Geräusche zu ignorieren und sie nicht mehr als Bedrohung zu bewerten. Dazu gehört auch eine Klangtherapie, bei der der Patient neutrale Umgebungsgeräusche hört, die den Tinnitus überlagern und dem Gehirn helfen, die Aufmerksamkeit vom Pfeifen „abzukoppeln".

Auch der Lebensstil spielt eine wichtige Rolle. Der Konsum von Koffein, Alkohol und Salz kann bei empfindlichen Personen den Tinnitus verschlimmern – Koffein und Alkohol beeinflussen die Durchblutung des Innenohrs, Salz führt zur Wassereinlagerung im Körper, was den Druck im Labyrinth des Ohrs erhöhen kann. Umgekehrt haben regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und Stressbewältigungstechniken wie Meditation oder Yoga nachweislich einen positiven Einfluss auf die Intensität und Wahrnehmung von Tinnitus.

Was den Schlaf betrifft, gibt es mehrere bewährte Ansätze, um mit dem abendlichen Pfeifen in den Ohren umzugehen. Viele Menschen helfen sich mit sogenanntem White Noise – weißem Rauschen oder Naturgeräuschen (Regen, Meeresrauschen, Waldgeräusche), die den Tinnitus auf natürliche Weise maskieren und dem Gehirn helfen, sich zu entspannen. Es gibt spezielle Apps und physische Geräte, die genau zu diesem Zweck entwickelt wurden. Ein weiterer Schritt ist die Schaffung einer entspannenden Abendroutine – eine Stunde vor dem Schlafengehen auf Bildschirme zu verzichten, ein warmes Bad zu nehmen oder ein Buch zu lesen, kann das Stressniveau deutlich senken und das Einschlafen trotz Tinnitus erleichtern.

Ernährung und der allgemeine Umgang mit dem eigenen Körper spielen eine größere Rolle, als es auf den ersten Blick scheint. Magnesium, Zink und B-Vitamine sind Nährstoffe, die nachweislich die Gesundheit des Nervensystems und des Gehörapparats unterstützen. Einige Studien deuten darauf hin, dass ihr Mangel zur Entstehung oder Verschlechterung von Tinnitus beitragen kann. Natürlich reiche Magnesiumquellen umfassen Blattgemüse, Nüsse, Samen und Vollkorngetreide – also Lebensmittel, die die Grundlage jeder gesunden Ernährung bilden.

Es ist auch gut zu wissen, dass Tinnitus nicht zwangsläufig ein dauerhafter oder sich verschlechternder Zustand sein muss. Viele Menschen lernen, mit einem leichten Pfeifen in den Ohren so zu leben, dass sie es nicht mehr als Problem wahrnehmen – das Gehirn ist in der Lage, sich anzupassen und dem Geräusch keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken, wenn wir ihm die richtigen Bedingungen dafür schaffen. Der Schlüssel liegt darin, Tinnitus nicht als Feind zu betrachten, sondern als Signal, das uns darauf hinweist, dass es Zeit ist, unserer Gesundheit, unserem Schlaf und unserem allgemeinen Lebensstil mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Das abendliche Pfeifen in den Ohren ist also weit mehr als nur ein unangenehmes Geräusch. Es ist eine Botschaft des Körpers – eine Botschaft, die es wert ist, gehört und richtig interpretiert zu werden. Ob es sich um ein überlastetes Gehörsystem, angesammelten Stress oder ungeeignete Ernährungsgewohnheiten handelt, die Antwort führt fast immer zum gleichen Schluss: Selbstfürsorge ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.

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