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Die Psyche des Vaters in der Schwangerschaft wird oft übersehen

Wenn neues Leben auf die Welt kommt, richtet sich die gesamte Aufmerksamkeit – und das völlig zu Recht – auf die schwangere Frau. Ihr Körper durchläuft enorme Veränderungen, ihre Emotionen schwanken, ihre Bedürfnisse stehen an erster Stelle. Doch neben ihr steht jemand, über den nur selten gesprochen wird: der werdende Vater. Ein Mann, der ebenfalls wartet, ebenfalls erlebt, ebenfalls Angst hat – und dennoch im psychologischen Schatten der gesamten Schwangerschaft bleibt. Die Psyche des Vaters in der Schwangerschaft ist ein Thema, das die Gesellschaft seit Langem ignoriert, und genau das kann weitreichende Folgen haben – für das Paar, für die Familie und für den werdenden Vater selbst.

Das ist keine Übertreibung. Studien zeigen immer wieder, dass bis zu einem von zehn Männern während der Schwangerschaft seiner Partnerin oder unmittelbar nach der Geburt Symptome einer Depression oder Angststörung erlebt. Dennoch wird über männliche perinatale Psychologie nur am Rande gesprochen – und wenn überhaupt, dann eher als Kuriosität denn als legitimes Thema, das die Aufmerksamkeit von Fachleuten und der Öffentlichkeit verdient.


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Warum wird über Väter nicht gesprochen?

Die Wurzeln dieser Vernachlässigung reichen tief in kulturelle und gesellschaftliche Normen hinein. Jahrhundertelang wurde der Mann im Kontext der Schwangerschaft vor allem als Stütze, als Rückhalt, als Ernährer wahrgenommen – also als derjenige, der die Dinge zusammenhält, während die Frau einen körperlich und emotional anspruchsvollen Prozess durchläuft. Dieses Bild hat sich in den letzten Jahrzehnten zwar deutlich gewandelt, doch die Spuren des alten Denkens sind noch immer spürbar. Von Männern wird nach wie vor erwartet, dass sie „stark" sind, dass sie ihre Zweifel und Ängste selbst bewältigen, dass sie nicht zusammenbrechen.

Doch die Schwangerschaft ist für den werdenden Vater tatsächlich eine transformative Erfahrung. Sie bringt grundlegende Lebensveränderungen mit sich – eine neue Rolle, neue Verantwortlichkeiten, eine Neubewertung von Prioritäten, finanzielle Belastungen und Fragen der Identität. „Wer bin ich als Vater? Werde ich das schaffen? Werde ich gut genug sein?" – das sind Fragen, die sich wohl jeder werdende Vater stellt, auch wenn er sie nicht laut ausspricht. Und genau das Schweigen rund um diese Fragen kann gefährlich sein.

Eine wichtige Rolle spielt auch, dass die Schwangerschaft für den Mann nicht auf dieselbe Weise körperlich greifbar ist wie für die Frau. Während sie jede Bewegung des Kindes spürt, die Veränderungen ihres Körpers beobachtet und ständig an die Realität des neuen Lebens erinnert wird, kann der gesamte Prozess für den Mann lange Zeit etwas Abstraktes haben. Erst der erste Ultraschall, die ersten Tritte oder schließlich die Geburt selbst – das sind die Momente, in denen die Realität der Vaterschaft auch für ihn greifbar wird. Bis dahin kann er ein seltsames Gefühl der Entfremdung erleben, als würde er hinter einer Glasscheibe stehen und etwas beobachten, an dem er sich nicht vollständig beteiligen kann.

Der Psychologe und Experte für perinatale Psychologie Mark Williams, der selbst eine postnatale Depression durchlebt hat und heute Aufklärungsarbeit leistet, beschreibt es treffend: „Männer sind darauf konditioniert, sich um andere zu kümmern – aber wer kümmert sich um sie?"

Das Couvade-Syndrom und andere psychosomatische Erscheinungen

Ein faszinierendes, aber wenig diskutiertes Phänomen ist das sogenannte Couvade-Syndrom – ein Zustand, bei dem werdende Väter körperliche Symptome erleben, die denen ihrer schwangeren Partnerin ähneln. Übelkeit, Müdigkeit, Gewichtszunahme, Rückenschmerzen, veränderte Essgelüste – all das kann Männer betreffen, deren Partnerin ein Kind erwartet. Die Schätzungen zur Häufigkeit dieses Syndroms variieren, doch einige Studien sprechen davon, dass es in unterschiedlichem Ausmaß 11 bis 65 Prozent der werdenden Väter betrifft.

Das Couvade-Syndrom ist keine anerkannte medizinische Diagnose, aber seine Existenz ist gut dokumentiert und verweist auf etwas Wesentliches: Die Schwangerschaft ist für Paare eine gemeinsame Erfahrung, die beide Partner betrifft – körperlich und seelisch. Der Körper des Mannes kann – so überraschend das klingen mag – auf die Nähe der schwangeren Partnerin und auf den emotionalen Stress im Zusammenhang mit der Erwartung eines Kindes mit sehr konkreten körperlichen Reaktionen antworten.

Neben diesem Syndrom treten bei werdenden Vätern häufig auch Angstzustände, Schlafstörungen, erhöhte Reizbarkeit oder umgekehrt emotionale Abstumpfung auf. Männer bagatellisieren diese Symptome oft oder führen sie auf beruflichen Stress, Müdigkeit oder andere Faktoren zurück – nur nicht auf das, was tatsächlich dahintersteckt.

Nehmen wir ein Beispiel aus dem realen Leben: Pavel erwartet mit seiner Partnerin Lucie das erste Kind. Lucie durchlebt die Schwangerschaft vergleichsweise gut, auch wenn sie natürlich ihre schwierigen Momente hat. Pavel hingegen erbringt bei der Arbeit immer schlechtere Leistungen, schläft schlecht, hat aufgehört, Freunde zu treffen, und antwortet auf die Frage, wie es ihm geht, knapp: „Gut, ich bin nur müde." Niemand – nicht einmal Pavel selbst – bringt seinen Zustand mit dem in Verbindung, was er gerade durchmacht. Erst nach der Geburt, als sich die Symptome verschlimmern, sucht Pavel Hilfe. Es stellt sich heraus, dass er an einer pränatalen Angststörung litt, die weder erkannt noch behandelt worden war.

Solche Pavels gibt es Tausende. Und genau deshalb ist es wichtig, offen über dieses Thema zu sprechen.

Wie die Schwangerschaft die männliche Psyche verändert

Die Schwangerschaft löst bei werdenden Vätern eine Reihe psychologischer Prozesse aus, die auf ihre Weise genauso tiefgreifend sind wie jene, die die Frau durchläuft. Einer der zentralen ist die sogenannte Neubestimmung der Identität – der Mann hört auf, sich in erster Linie als Sohn, Partner oder Kollege zu definieren, und beginnt, sich auch über die Rolle des Vaters zu verstehen. Dieser Übergang ist weder automatisch noch einfach. Er erfordert Zeit, Raum und im Idealfall auch Unterstützung.

Eine im Fachjournal Journal of Affective Disorders veröffentlichte Studie zeigt, dass Männer mit einer Vorgeschichte von Angststörungen oder Depressionen während der Schwangerschaft ihrer Partnerin deutlich anfälliger für einen Rückfall oder die Entwicklung neuer psychischer Beschwerden sind. Zu den Risikofaktoren zählen auch finanzielle Unsicherheit, eine instabile Partnerschaft, mangelnde soziale Unterstützung oder frühere traumatische Erfahrungen.

Gleichzeitig gilt: Die Schwangerschaft kann für den Mann auch eine Quelle tiefer Freude, Sinnhaftigkeit und persönlichen Wachstums sein. Das Gefühl, an der Entstehung eines neuen Lebens beteiligt zu sein, eine Familie aufzubauen, dass die Partnerin sein Kind trägt – das sind Erfahrungen, die viele Väter als die stärksten ihres Lebens beschreiben. Die psychologische Realität ist also nicht eindeutig negativ; es handelt sich vielmehr um eine intensive emotionale Landschaft voller Gegensätze, die Aufmerksamkeit und Fürsorge verdient.

Ein wichtiger Bestandteil der männlichen Psyche in der Schwangerschaft ist auch die Beziehung zum eigenen Vater. Viele Männer überdenken in dieser Zeit – bewusst oder unbewusst – ihre eigene Erfahrung mit Vaterschaft, so wie sie sie selbst erlebt haben. Jene, die ohne Vater oder mit einem abwesenden oder problematischen Vater aufgewachsen sind, können mit einer besonderen Form von Trauer oder der Angst konfrontiert sein, Muster zu wiederholen. Umgekehrt können jene, die ein starkes Vorbild an Vaterschaft erlebt haben, den Druck spüren, diesem gerecht zu werden oder es zu übertreffen.

Dieser gesamte innere Prozess verläuft meist ohne jegliche Begleitung. Während schwangere Frauen ein ganzes Versorgungssystem zur Verfügung haben – regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, Geburtsvorbereitungskurse, Gruppen für werdende Mütter, psychologische Unterstützung – existiert für Männer eine vergleichbare Infrastruktur praktisch nicht. Geburtsvorbereitungskurse schließen zwar in der Regel auch Väter ein, aber ihr psychisches Erleben ist bestenfalls ein Randthema.

Die Situation verändert sich langsam. In einigen Ländern, wie Großbritannien oder Australien, entstehen spezialisierte Unterstützungsprogramme für werdende und neue Väter. Organisationen wie die Pandas Foundation oder das australische PANDA beginnen, Männer explizit in ihre Angebote und Kommunikation einzubeziehen. In der Tschechischen Republik steckt dieses Bereich noch in den Anfängen, aber das Bewusstsein für männliche perinatale Psychologie wächst dank der Aufklärungsarbeit von Fachleuten und gemeinnützigen Organisationen langsam.

Was kann also helfen? Vor allem eine offene Kommunikation im Paar – und zwar nicht nur über praktische Vorbereitungen, sondern über echte Gefühle, Ängste und Erwartungen. Studien zeigen, dass Paare, die während der Schwangerschaft offen über ihre Emotionen sprechen, nach der Geburt eine stabilere Beziehung haben und die Anforderungen der Elternschaft besser bewältigen. Es geht nicht darum, dass der Mann die Rolle der Frau übernimmt oder darum wetteifert, wer mehr erlebt – es geht darum, dass er einen legitimen Raum für seine eigenen Emotionen hat.

Hilfreich kann auch der Kontakt zu anderen werdenden oder neuen Vätern sein. Das Teilen von Erfahrungen in einem sicheren Umfeld – sei es in Vätergruppen, Online-Foren oder informellen Treffen mit Freunden – kann das Gefühl der Isolation deutlich verringern und das, was der Mann erlebt, normalisieren. Das Bewusstsein, nicht der Einzige zu sein, der Angst hat oder zweifelt, hat an sich schon eine therapeutische Wirkung.

Bei ausgeprägteren Symptomen – anhaltender Angst, Traurigkeit, Reizbarkeit, Schlafstörungen oder dem Verlust des Interesses an Dingen, die früher Freude bereitet haben – ist es angebracht, professionelle Hilfe zu suchen. Psychotherapie oder gegebenenfalls eine psychiatrische Konsultation sind kein Eingeständnis von Schwäche; sie sind ein Ausdruck von Verantwortung – gegenüber sich selbst, der Partnerin und dem ungeborenen Kind.

Schließlich braucht ein Kind einen psychisch gesunden Vater genauso wie eine psychisch gesunde Mutter. Forschungen aus dem Bereich der Entwicklungspsychologie bestätigen seit Langem, dass die emotionale Verfügbarkeit und das psychische Wohlbefinden des Vaters einen direkten Einfluss auf die Entwicklung des Kindes, auf die Qualität der frühen Bindung und auf die allgemeine Atmosphäre in der Familie haben. Für die Psyche des werdenden Vaters zu sorgen ist daher kein Luxus und keine Sentimentalität – es ist eine Investition in die Zukunft der gesamten Familie.

Die Schwangerschaft ist ein Weg, den zwei gemeinsam gehen. Es ist höchste Zeit, ihn auch so wahrzunehmen.

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