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Wärmebehandlung von Gemüse und ihr Einfluss auf Nährstoffe

Gemüse gehört zu den grundlegenden Säulen einer gesunden Ernährung – das weiß fast jeder. Aber was passiert eigentlich mit seinen Nährstoffen, wenn wir es zu kochen, zu dünsten oder zu backen beginnen? Die Antwort ist nicht so eindeutig, wie es scheinen mag. Während wir einen Teil der Vitamine und Antioxidantien durch Hitzeeinwirkung tatsächlich verlieren, werden andere Stoffe dadurch zugänglicher und nützlicher. Das Verstehen dieses Paradoxons kann grundlegend verändern, wie wir Gemüse zubereiten – und damit auch, was unser Körper davon tatsächlich aufnimmt.

Zwischen Befürwortern der Rohkost und Anhängern der traditionellen Küche wird diese Debatte bereits seit Jahrzehnten geführt. Die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo in der Mitte – und hängt vom jeweiligen Gemüse, der Zubereitungsart und der Kochzeit ab. Es reicht also nicht zu sagen, dass gekochtes Gemüse schlechter oder besser als rohes ist. Man muss die Sache genauer betrachten.


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Was bei der Erhitzung mit den Nährstoffen passiert

Gemüse enthält eine ganze Reihe biologisch aktiver Stoffe – Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe, Antioxidantien und Phytochemikalien. Jede dieser Gruppen reagiert anders auf Hitze. Vitamin C und die Vitamine der B-Gruppe sind sogenannte wasserlösliche Vitamine, und genau diese reagieren am empfindlichsten auf Hitze. Vitamin C zerfällt beim Kochen relativ schnell – eine in der Zeitschrift Food Chemistry veröffentlichte Studie zeigte, dass Gemüse beim Kochen in Wasser bis zu 50 % seines Vitamin-C-Gehalts verlieren kann, wobei ein Teil direkt ins Wasser übergeht. Ähnlich verhält es sich mit Folsäure, die beispielsweise in der Schwangerschaft oder bei der Bildung roter Blutkörperchen eine Schlüsselrolle spielt.

Auf der anderen Seite stehen die fettlöslichen Vitamine – A, D, E und K. Diese sind gegenüber Hitze deutlich widerstandsfähiger, und ihre Verfügbarkeit für den Körper erhöht sich bei der Wärmebehandlung häufig, besonders wenn wir das Gemüse mit etwas hochwertigem Fett zubereiten. In Butter oder Olivenöl gedünstete Karotten liefern dem Körper daher deutlich mehr Beta-Carotin als rohe Karotten ohne Fett – und das deshalb, weil Beta-Carotin eine lipophile Substanz ist, die also gerade in Gegenwart von Fetten aufgenommen wird.

Ein besonderes Kapitel bilden Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium oder Eisen. Diese sind gegenüber Hitze im Allgemeinen widerstandsfähig, gehen jedoch beim Kochen in größeren Wassermengen in die Brühe über. Deshalb macht es Sinn, das Kochwasser von Gemüse zu verwenden – etwa als Grundlage für eine Suppe oder Soße. Wer dieses Wasser in den Ausguss schüttet, beraubt sich einer beachtlichen Menge an Nährstoffen, ohne es zu wissen.

Eines der interessantesten Beispiele dafür, wie Hitze den Nährwert von Gemüse erhöhen kann, ist die Tomate. Eine rohe Tomate enthält Lycopin – ein starkes Antioxidans, das mit einem verringerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten in Verbindung gebracht wird. Doch genau dieses Lycopin wird durch Wärmebehandlung aus den Zellwänden der Tomate freigesetzt und wird für den Körper wesentlich besser verwertbar. Gekochte oder gebackene Tomaten, Tomatensoße oder Tomatenmark übertreffen frische Tomaten hinsichtlich des verwertbaren Lycopingehalts. Diese Tatsache bestätigt auch die Forschung der Harvard T.H. Chan School of Public Health, die sich langfristig mit dem Zusammenhang zwischen Ernährung und Krankheitsprävention beschäftigt.

Ein ähnlicher Effekt tritt bei Spinat, Brokkoli oder Spargel auf. Spinat enthält Oxalsäure, die im rohen Zustand Mineralstoffe wie Kalzium und Eisen bindet und deren Aufnahme verhindert. Durch kurzes Kochen oder Blanchieren zerfällt die Oxalsäure zu einem großen Teil, wodurch die Verfügbarkeit der Mineralstoffe für den Körper paradoxerweise steigt. Brokkoli setzt beim kurzen Dämpfen oder Kochen im Dampf wiederum mehr Sulforaphan frei – eine Substanz mit starken entzündungshemmenden und krebsbekämpfenden Eigenschaften – als roher Brokkoli. Eine im Journal of Agricultural and Food Chemistry veröffentlichte Studie legt nahe, dass das Ausmaß und die Art der Wärmebehandlung dabei entscheidend sind: Kurzes und schonendes Kochen hilft, langes Kochen hingegen schadet.

Die Zubereitungsart spielt eine größere Rolle, als wir denken

Die Art der Wärmebehandlung von Gemüse spielt eine Schlüsselrolle dabei, was wir letztendlich daraus gewinnen. Das Kochen in größeren Wassermengen ist im Hinblick auf den Erhalt von Vitaminen die am wenigsten schonende Methode – die Nährstoffe gehen einfach ins Wasser über, das dann oft weggegossen wird. Eine weitaus bessere Wahl ist das Dämpfen, das Dünsten bei schwacher Hitze oder das Backen im Ofen. Diese Methoden minimieren den Kontakt des Gemüses mit Wasser und verkürzen die Einwirkzeit hoher Temperaturen.

Ein konkretes Beispiel lässt sich leicht vorstellen: Eine Mutter, die Brokkoli für die ganze Familie kocht, wirft ihn in einen Topf mit kochendem Wasser und lässt ihn dort zwanzig Minuten. Das Ergebnis? Das Gemüse ist weich, aber die Nährstoffe sind größtenteils ins Wasser übergegangen oder durch die Hitze zersetzt worden. Hätte sie den Brokkoli stattdessen kurz im Dampf gedünstet – etwa zehn Minuten – hätte sie deutlich mehr Vitamin C und andere nützliche Stoffe erhalten, und das Gemüse hätte auch seine angenehme Textur und Farbe behalten.

Das Backen im Ofen bringt einen anderen Effekt. Bei höheren Temperaturen kommt es zur Maillard-Reaktion und zur Karamellisierung der Zucker, die dem Gemüse seinen charakteristischen süßen und komplexen Geschmack verleihen. Aus ernährungsphysiologischer Sicht bleiben beim Backen Ballaststoffe und Mineralstoffe gut erhalten, während ein Teil des Vitamin C verloren geht. Dennoch kann gebackenes Gemüse eine ausgezeichnete Wahl sein, besonders wenn wir es mit etwas Olivenöl zubereiten – das fördert die Aufnahme lipophiler Nährstoffe und liefert gleichzeitig gesunde ungesättigte Fettsäuren.

Die Mikrowelle, die von vielen als minderwertige Kochmethode angesehen wird, ist tatsächlich eine der schonendsten Methoden im Hinblick auf den Erhalt von Nährstoffen. Die kurze Zubereitungszeit und die minimale Wassermenge bedeuten, dass die Vitamine weder die Zeit noch das Umfeld haben, um sich zu zersetzen oder ins Wasser überzugehen. Das bestätigt auch die Weltgesundheitsorganisation, die angibt, dass das Kochen in der Mikrowelle kein gesundheitliches Risiko darstellt und im Hinblick auf den Erhalt des Nährwerts von Lebensmitteln sogar vorteilhaft sein kann.

Das Frittieren von Gemüse in reichlich Öl ist hingegen aus ernährungsphysiologischer Sicht am problematischsten. Die hohe Öltemperatur zerstört thermolabile Vitamine, das Gemüse nimmt große Mengen an Fett auf, und beim wiederholten Überhitzen des Öls können schädliche Stoffe entstehen. Kurzes Anbraten in der Pfanne mit etwas Öl ist jedoch eine ganz andere Sache – es handelt sich um eine schnelle Methode, die Textur und einen Teil der Nährstoffe erhält, ohne das Gericht mit unnötig viel Fett zu belasten.

Roh oder gekocht? Die richtige Frage lautet anders

Wie die Ernährungsberaterin und Autorin eines Buches über funktionelle Lebensmittel Jo Robinson sagt: „Die Art, wie wir Gemüse zubereiten, kann genauso wichtig sein wie die Wahl des Gemüses selbst." Und dieser Gedanke trifft den Kern des gesamten Themas. Es gibt keine eindeutige Antwort auf die Frage, ob es besser ist, Gemüse roh oder gekocht zu essen. Es kommt auf die Gemüseart an, auf die konkreten Nährstoffe, die uns interessieren, und auf die Zubereitungsart.

Karotten, Tomaten, Spargel, Spinat oder Grünkohl – das alles sind Gemüsesorten, die von der Wärmebehandlung profitieren, wenn wir sie richtig und angemessen lange zubereiten. Paprika, Radieschen oder Gurken hingegen bewahren ihr Nährstoffpotenzial besser im rohen Zustand. Vitamin C, von dem rote Paprika eine außergewöhnlich reiche Quelle ist, zerfällt durch Hitze schnell – in Scheiben geschnittene rohe Paprika im Salat ist daher immer die bessere Wahl als gedünstete Paprika.

Ein gesunder Ansatz besteht daher in Abwechslung. Rohes Gemüse mit gekochtem, gedünstetem oder gebackenem zu kombinieren ist der natürliche Weg, damit der Körper ein möglichst breites Spektrum an Nährstoffen erhält. Ein Salat aus frischem Gemüse zum Mittagessen und gedünsteter Brokkoli mit gebackenen Tomaten zum Abendessen – diese Kombination deckt weitaus mehr Nährstoffbedürfnisse ab als jeder extreme Ansatz.

Besondere Aufmerksamkeit verdient auch die Fermentation, die zwar im eigentlichen Sinne keine Wärmebehandlung ist, aber als Verarbeitungsmethode für Gemüse die biologische Verfügbarkeit von Nährstoffen deutlich erhöht und die Ernährung um Probiotika bereichert. Sauerkraut, Kimchi oder eingelegtes Gemüse sind Beispiele dafür, wie traditionelle Lebensmittelverarbeitungsmethoden deren Nährwert auf natürliche Weise steigern – und das ganz ohne einen einzigen Grad Hitze.

Die Gesamtbotschaft für den alltäglichen Kochbetrieb ist eigentlich ermutigend. Wir müssen keine Angst davor haben, Gemüse zu kochen, zu dünsten oder zu backen – wenn wir es mit Bedacht, schonend und abwechslungsreich tun. Eine kurze Wärmebehandlung im richtigen Medium – sei es Dampf, eine kleine Menge Wasser oder etwas Öl – kann Nährstoffe nicht nur erhalten, sondern in vielen Fällen auch ihre Verwertbarkeit für den Körper erhöhen. Und das ist eine gute Nachricht für alle, die warme Mahlzeiten lieben und nicht auf das Vergnügen einer Schüssel gedünstetem Gemüse oder einer selbstgemachten Tomatensoße verzichten möchten.

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