Wie ein flacher Fuß bei Erwachsenen Knie und Rücken zerstört
Schmerzen in den Fersen am Morgen, Müdigkeit der Füße nach einem kurzen Spaziergang oder das Gefühl, mit dem gesamten Gewicht auf der Innenseite des Fußes zu stehen – das sind Signale, die viele Menschen ignorieren oder auf falsches Schuhwerk schieben. Dabei kann hinter diesen Beschwerden ein Absinken des Fußgewölbes stecken, also ein Zustand, bei dem die natürliche Wölbung des Fußes sich verringert oder ganz verschwindet. Plattfuß bei Erwachsenen ist dabei weitaus verbreiteter, als es scheinen mag – Schätzungen von Orthopäden zufolge kämpft etwa jeder fünfte bis vierte Erwachsene mit einem unterschiedlich ausgeprägten Grad dieses Problems.
Interessant ist, dass die meisten Betroffenen lange Zeit überhaupt nichts von ihrem Zustand wissen. Das Absinken des Gewölbes muss nämlich anfangs nicht schmerzen. Der Körper gewöhnt sich schrittweise an die veränderte Fußstellung, kompensiert sie an anderer Stelle – im Knöchel, Knie, in der Hüfte oder sogar im Rücken – und erst wenn diese Kompensationen nicht mehr ausreichen, beginnen Beschwerden aufzutreten. In diesem Moment ist das Problem meist bereits fortgeschritten und die Lösung komplizierter.
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Woran man erkennt, dass das Gewölbe absinkt
Die einfachste Methode, den Zustand des Fußgewölbes selbst zu überprüfen, ist der sogenannte Nasstest. Man muss lediglich den Fuß befeuchten, auf Papier oder eine Fliese treten und weggehen. Der hinterlassene Abdruck verrät einiges. Ein gesundes Fußgewölbe hinterlässt einen Abdruck mit einer deutlichen Einbuchtung auf der Innenseite – etwa ein Drittel der Fußbreite sollte keine Spur hinterlassen. Wenn der Abdruck nahezu vollständig ist, ohne erkennbare Einbuchtung, oder umgekehrt sehr schmal (was auf ein hohes Gewölbe hindeutet), lohnt es sich, den Füßen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Ein weiterer Hinweis ist der Verschleiß der Schuhe selbst. Schauen Sie sich die Sohlen Ihrer Lieblingsturnshuhe oder Alltagsschuhe an. Übermäßiger Verschleiß auf der Innenseite der Ferse und des vorderen Schuhteils deutet darauf hin, dass der Fuß beim Gehen nach innen kippt – fachsprachlich bezeichnet man dieses Phänomen als Pronation. Eine leichte Pronation ist völlig natürlich und Teil der normalen Abrollbewegung, aber ihre übermäßige Ausprägung ist eines der typischen Anzeichen für einen Plattfuß.
Zu den Symptomen, die keinesfalls übersehen werden sollten, gehören Schmerzen im Bereich des inneren Knöchels oder entlang der Innenseite des Fußes, Schwellungen rund um den Knöchel, ein Gefühl von Steifheit oder Krämpfe im Fußgewölbe besonders nach längerem Stehen, aber auch Knie- und Lendenwirbelsäulenschmerzen, die scheinbar nichts mit den Füßen zu tun haben. Menschen mit abgesunkenem Gewölbe beklagen außerdem häufig, dass ihre Füße schneller als früher ermüden, selbst bei Aktivitäten, die ihnen früher keine Probleme bereiteten. Wenn sich diese Symptome wiederholen oder anhalten, ist es angebracht, einen Orthopäden oder Podologen aufzusuchen – einen Spezialisten für Füße und ihre Biomechanik.
Es ist wichtig, zwischen zwei grundlegenden Typen des Plattfußes zu unterscheiden. Der flexible Plattfuß ist ein Zustand, bei dem sich das Gewölbe bei Entlastung des Fußes (zum Beispiel beim Zehenstand) teilweise oder vollständig wiederherstellt. Das ist die günstigere Variante, die gut auf Übungen und geeignetes Schuhwerk anspricht. Der rigide Plattfuß hingegen ist ein Zustand, bei dem das Gewölbe auch ohne Belastung fehlt – der Knochen ist dauerhaft verformt. Dieser Typ ist häufig mit stärkeren Schmerzen verbunden und erfordert einen umfassenderen Behandlungsansatz.
Die Ursachen, warum es bei Erwachsenen zum Kollaps des Gewölbes kommt, sind vielfältig. Genetische Veranlagung spielt eine Rolle – wenn die Eltern an einem Plattfuß litten, steigt das Risiko bei den Nachkommen. Übergewicht und Adipositas belasten das Gewölbe enorm und überfordern es schrittweise. Schwangerschaft, bei der Hormone die Bänder lockern und das zunehmende Gewicht den Schwerpunkt verändert, kann zu einem vorübergehenden oder dauerhaften Absinken des Gewölbes führen. Ähnlich wirkt langes Stehen auf harten Böden – etwa an der Kasse, in der Produktion oder in der Küche. Sehnenverletzungen, insbesondere die sogenannte Dysfunktion der hinteren Tibialis-Sehne, sind eine der häufigsten Ursachen für die Entwicklung eines Plattfußes im mittleren Alter. Und schließlich trägt auch ungeeignetes Schuhwerk – zu steif, zu weich oder ohne jegliche Gewölbeunterstützung – zur Schwächung der Muskeln und Bänder bei, die das Gewölbe auf natürliche Weise aufrechterhalten.
Was man bei abgesunkenem Gewölbe tun kann
Sobald das Problem erkannt ist, stellt sich die Frage, was dagegen zu tun ist. Die gute Nachricht ist, dass der Plattfuß bei Erwachsenen in der überwiegenden Mehrheit der Fälle mit konservativen Methoden – also ohne Operation – behandelbar ist. Der Schlüssel liegt in der Kombination aus geeignetem Schuhwerk, orthopädischen Einlagen und gezielten Übungen.
Orthopädische Einlagen, auch Orthesen genannt, sind heute sowohl maßgefertigt vom Orthopädietechniker als auch als konfektionierte Varianten in Apotheken und Fachgeschäften erhältlich. Ihre Aufgabe ist es, das Gewölbe von außen zu stützen, die Belastung gleichmäßig über den gesamten Fuß zu verteilen und übermäßige Pronation einzuschränken. Eine im Journal of Foot and Ankle Research veröffentlichte wissenschaftliche Übersichtsarbeit bestätigt, dass die regelmäßige Verwendung orthopädischer Einlagen die Schmerzen bei Patienten mit abgesunkenem Gewölbe deutlich reduziert und die Fußfunktion verbessert. Einlagen allein behandeln das Problem jedoch nicht – sie sind eher ein unterstützendes Hilfsmittel, während die eigentliche Arbeit durch Bewegung und Kräftigung erfolgt.
Übungen zur Stärkung der Fuß- und Wadenmuskulatur sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Behandlung. Physiotherapeuten empfehlen am häufigsten Übungen wie das Aufheben von Gegenständen mit den Zehen (zum Beispiel Murmeln oder ein Handtuch vom Boden), die „Schneckenübung", bei der die große Zehe zur Ferse gezogen wird, ohne die Zehen anzuheben, oder das Barfußgehen auf unebenem Untergrund – Gras, Sand oder speziellen Balanceunterlagen. Gerade das Barfußgehen ist heute Gegenstand wachsenden Forschungsinteresses. Studien zeigen, dass Menschen, die in Umgebungen aufgewachsen sind oder leben, in denen überwiegend barfuß gegangen wird, ein deutlich stärkeres Fußgewölbe und eine geringere Häufigkeit von Gewölbestörungen aufweisen.
Stellen Sie sich Martina vor, eine vierzigjährige Lehrerin, die vor zwei Jahren begann, über Fersen- und Knieschmerzen zu klagen. Ein Orthopäde diagnostizierte bei ihr einen flexiblen Plattfuß, der durch eine Kombination aus genetischer Veranlagung und langem Stehen im Klassenzimmer verursacht wurde. Sie erhielt eine Empfehlung für orthopädische Einlagen, begann regelmäßig nach Anleitung eines Physiotherapeuten zu üben und tauschte ihre geliebten Ballerinas gegen Schuhe mit ausreichender Gewölbeunterstützung aus. Nach sechs Monaten ließen die Schmerzen so weit nach, dass sie die entzündungshemmenden Medikamente, die sie zuvor fast täglich eingenommen hatte, nicht mehr benötigte.
Die Wahl des Schuhwerks ist dabei ein Thema, das ein eigenes Kapitel verdient. Generell gilt, dass Schuhe für Personen mit abgesunkenem Gewölbe eine feste Fersenkappe, ausreichend Zehenraum, einen stabilen Mittelteil (sogenannte Torsionssteifigkeit) und eine leichte Innenwölbungsunterstützung haben sollten. Umgekehrt bieten völlig flache Schuhe ohne jegliche Struktur, wie Flip-Flops oder minimalistische Ballerinas, keine Gewölbeunterstützung und können den Zustand bei täglichem Tragen verschlechtern. Ebenso problematisch sind Schuhe mit zu hohem Absatz, die die Belastung ungleichmäßig verteilen und die Achillessehne verkürzen.
Neben Übungen und Schuhwerk gibt es weitere unterstützende Methoden. Physiotherapie mit Fokus auf die Mobilisierung der Fuß- und Sprunggelenke, Taping (Abkleben) des Gewölbes mit Sporttape zur vorübergehenden Unterstützung oder Hydrotherapie und Massagen können wesentlich zur Schmerzlinderung und Verbesserung der Funktion beitragen. Für diejenigen, die natürliche Ergänzungen zur Fußpflege suchen, gibt es auch spezielle Bäder mit Mineralsalzen oder Massagerollen, die bequem zu Hause genutzt werden können.
Wann ist eine Operation notwendig? Diese Frage stellen sich viele Patienten. Ein chirurgischer Eingriff kommt erst dann in Betracht, wenn die konservative Behandlung nach ausreichend langer Zeit – in der Regel mindestens ein bis zwei Jahre – gescheitert ist und die Beschwerden die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Operationen werden je nach Ursache und Ausmaß des Problems mit verschiedenen Techniken durchgeführt: von der Sehnentransplantation über die Osteotomie (Knochenumlagerung) bis hin zur Gelenkfusion. Die Rekonvaleszenz ist langwierig, und die Ergebnisse hängen vom Alter des Patienten, seinem allgemeinen Gesundheitszustand und der Konsequenz der Rehabilitation ab.
Es ist wichtig, auch den präventiven Aspekt des gesamten Themas zu erwähnen. Die Aufrechterhaltung eines gesunden Körpergewichts, regelmäßige Bewegung, der Wechsel des Schuhwerks und eine bewusste Fußpflege sind Faktoren, die der Entwicklung eines Plattfußes erheblich vorbeugen oder zumindest sein Fortschreiten verlangsamen können. Wie die orthopädische Physiotherapeutin Clare Frank sagt: „Die Füße sind das Fundament des gesamten Bewegungsapparats. Vernachlässigen wir sie, zahlen wir früher oder später mit dem gesamten Körper dafür." Diese Worte gelten umso mehr in einer Zeit, in der die meisten von uns lange Stunden sitzend oder in ungeeignetem Schuhwerk verbringen.
Das Absinken des Fußgewölbes bei Erwachsenen ist also weder eine rein ästhetische Angelegenheit noch ein unausweichliches Schicksal. Es ist ein Zustand, der bei frühzeitiger Erkennung und dem richtigen Ansatz effektiv bewältigt und in vielen Fällen deutlich verbessert werden kann. Entscheidend ist, die Signale nicht zu unterschätzen, die die Füße senden, und chronische Müdigkeit oder Schmerzen nicht als normalen Bestandteil des Alltags zu akzeptieren. Die Füße tragen den Menschen ein Leben lang – und verdienen dementsprechend Aufmerksamkeit.