Saisonale Ernährung ist sinnvoll, da sie die Vielfalt der Ernährung fördert und den Geldbeutel schon
Nach der Jahreszeit zu essen klingt wie ein Rat aus Zeiten, in denen die Menschen keine Wahl hatten. Doch gerade in der heutigen Zeit, in der fast alles jederzeit erhältlich ist, wird die saisonale Ernährung überraschend aktuell. Nicht aus Nostalgie, sondern weil sie einfacher als Kompass für ausgewogene Mahlzeiten dienen kann, umweltfreundlicher ist und oft auch den Geldbeutel schont. Und wenn es draußen früh dunkel wird, verlangt der Körper nach einem anderen Rhythmus als im Juli – das ist keine Schwäche, sondern eine natürliche Reaktion auf Licht, Temperatur und Bewegung.
In der Praxis bedeutet das weniger Nachdenken über „Superfoods“ und mehr Aufmerksamkeit für das, was hier und jetzt wächst (oder gut gelagert werden kann). Warum saisonale Ernährung dem Körper guttut, wie eine ausgewogene Wintermahlzeit aussehen kann und welche Tipps es gibt, um saisonal zu essen, damit es nicht nur Theorie bleibt?
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Warum saisonale Ernährung dem Körper (und nicht nur dem Körper) guttut
Saisonale Ernährung wird oft aus ökologischer Sicht erklärt: weniger Transport, weniger Energie für Gewächshäuser, weniger Verpackung. All das stimmt. Aber wichtig ist auch, was auf dem Teller passiert. Saisonale Produkte werden meist zur Reifezeit geerntet, sodass sie die Chance haben, besseren Geschmack und eine natürlichere Zusammensetzung zu bieten. Bei Lebensmitteln, die um die halbe Welt reisen, wird hingegen oft früher geerntet, damit sie den Transport überstehen – und dann „reifen" sie mehr durch Zeit als durch Sonne.
Es geht nicht darum, den Import zum Feind zu machen. Vielmehr sollte man sich bewusst machen, dass Saisonalität von Natur aus Vielfalt fördert. Wer sich im Sommer auf Tomaten, Zucchini, Gurken und Beeren stützt, wechselt im Herbst automatisch zu Kürbissen, Äpfeln und Wurzelgemüse. Im Winter kommen dann Kohl, Hülsenfrüchte, fermentierte Lebensmittel und das, was gut gelagert werden kann. Gerade dieser Wechsel ist für den Körper nützlich: Verschiedene Arten von Ballaststoffen wechseln sich ab, das Verhältnis von Wasser und Stärke ändert sich, ebenso das Spektrum der Pflanzenstoffe. Und der Darm – der heute eine große Rolle dabei spielt, wie man sich fühlt – liebt Vielfalt.
Wenn man darüber spricht, warum saisonale Kost guttut, wird oft auch der Bezug zum natürlichen Rhythmus erwähnt. Im Winter gibt es weniger Licht, mehr Zeit drinnen und Appetit auf warme Speisen. Das ist logisch: Der Körper versucht, die Wärme und Energie zu bewahren. Die saisonale Küche bietet dafür praktische Werkzeuge – warme Suppen, Brühen, geröstetes Gemüse, Breispeisen, Hülsenfruchtgerichte. Im Sommer greifen wir dagegen natürlich zu leichteren, wasserhaltigeren Dingen, zu Salaten und Obst. Das mag banal klingen, aber es ist genau die Art von „Banalität", die auf lange Sicht am besten funktioniert.
Saisonale Kost bedeutet zudem oft, dass aus einfacheren Zutaten gekocht wird und weniger aus hochverarbeiteten Lebensmitteln. Und das ist einer der praktischsten Gründe, warum sie der Gesundheit zugutekommen kann. Für den Kontext sind zum Beispiel die Überblicksinformationen der Weltgesundheitsorganisation über eine gesunde Ernährung und die Rolle von Obst und Gemüse nützlich: WHO – Healthy diet. Sie sagt nicht „iss saisonal", sondern zeigt die Richtung: mehr pflanzliche Lebensmittel, mehr Ballaststoffe, weniger zugesetzter Zucker und Salz. Ein saisonaler Ansatz führt oft natürlich dazu.
Und noch ein Detail, das in Diskussionen manchmal verloren geht: Saisonalität kann auch eine psychologische Erleichterung sein. Anstatt einer endlosen Auswahl stützt man sich auf das, was gerade Sinn macht. Weniger Entscheidungen, weniger „was sollte ich", mehr „das ist jetzt verfügbar und gut". In einer Zeit, in der Essen oft eine Quelle von Stress ist, ist das überraschend wertvoll.
„Esst Nahrung. Nicht zu viel. Vor allem Pflanzen." – Michael Pollan
Wie man im Winter ausgewogen isst, damit der Körper Energie und Ruhe hat
Der Winter ist spezifisch für den Speiseplan. Man bewegt sich weniger draußen, der Körper verlangt nach Wärme und Komfort, und gleichzeitig ist es leicht, in eine „schwere", aber nicht unbedingt ausgewogene Ernährung zu verfallen. Eine ausgewogene Winterernährung bedeutet nicht den Verzicht auf Brot oder dass jeden Tag Salat gegessen wird – vielmehr geht es darum, dass die grundlegenden Bausteine auf dem Teller zusammenkommen: ausreichend Eiweiß, Ballaststoffe, komplexe Kohlenhydrate und hochwertige Fette.
Im Winter macht es großen Sinn, das Essen auf warmen Grundlagen aufzubauen. Suppen sind nicht nur „Vorspeisen" – eine gut gemachte Suppe kann eine vollwertige Mahlzeit sein. Wenn man einer Gemüsesuppe Linsen, Bohnen oder Kichererbsen hinzufügt, entsteht eine Kombination, die sättigt und gleichzeitig verträglich ist. Wurzelgemüse (Karotten, Petersilie, Sellerie), Zwiebeln, Knoblauch, Grünkohl, Kohl oder Lauch sind im Winter erhältlich und geschmacklich dankbar. Und wenn man dazu einen Löffel hochwertiges Öl, Samen oder Nüsse gibt, erhält der Körper auch Fette, die das Sättigungsgefühl unterstützen.
Ein häufiger Winterirrtum ist das Weglassen von Eiweiß. Morgens Brötchen, mittags Nudeln, abends „etwas Schnelles" – und der Hunger kehrt zurück. Eiweiß ist nicht nur für Sportler. Es hilft, die Energie zu stabilisieren und unterstützt die Regeneration. Im Winter ist es praktisch, Hülsenfrüchte (gern auch in Konserven im Glas), Eier, hochwertige Milchprodukte, Tofu oder Tempeh zur Hand zu haben. Wer Fleisch isst, kann es als Ergänzung betrachten, nicht als Basis jeder Mahlzeit.
Ein realistisches Beispiel aus dem Alltag zeigt es am besten. Stellen Sie sich einen normalen Arbeitstag vor: morgens dunkel, man eilt, draußen Frost. Im Büro (oder zu Hause am Computer) passiert es dann leicht, dass das Mittagessen „sich mit süßem Gebäck und Kaffee begnügt". Am Nachmittag kommt die Müdigkeit, abends der Heißhunger und die Lust auf alles Salzige. Eine kleine Änderung genügt: morgens warmer Haferbrei mit Apfel, Zimt und einer Handvoll Nüsse, zum Mittagessen eine dicke Linsensuppe mit Wurzelgemüse und zum Abendessen geröstetes Gemüse mit Hummus oder Quark. Das Ergebnis? Kein Wunder über Nacht, aber oft stabilere Energie, weniger Heißhunger auf Süßes und das Gefühl, dass der Körper „hält".
Winterliche Ausgewogenheit betrifft auch Mikronährstoffe. In unseren Breiten ist im Winter oft Vitamin D ein Thema – es ist kein Thema der saisonalen Ernährung im engeren Sinne, aber es hängt mit dem Mangel an Sonnenlicht zusammen. Sinnvolle Informationen dazu bietet zum Beispiel NHS – Vitamin D (der britische öffentliche Gesundheitsdienst erklärt übersichtlich, warum im Winter oft empfohlen wird, den Vitamin-D-Spiegel zu beachten). Mit Nahrung lässt sich Vitamin D zwar schwerer decken, aber es lohnt sich zu wissen, dass es im Winter nicht nur um „Kalorien" geht, sondern auch um das allgemeine Wohlbefinden.
Und dann ist da noch Ballaststoffe. Die Winterküche bietet dafür hervorragende Werkzeuge: Kohl, Grünkohl, Hülsenfrüchte, Hafer, Buchweizen, Gerste. Ballaststoffe unterstützen die Verdauung, das Sättigungsgefühl und langfristig eine gesündere Ernährungsweise. Wenn im Winter mehr Brot und weniger Gemüse gegessen wird, ist das genau der Punkt, an dem es sich lohnt, zu saisonalen Zutaten zurückzukehren.
Ausgewogenheit ist jedoch nicht nur eine Frage des „Was". Es geht auch um das „Wie". Im Winter hilft es: regelmäßiger zu essen, da der Körper oft nach einem stabilen Energiezufuhr verlangt, und warme Mahlzeiten einzuführen, die beruhigen und sättigen. Und wenn der Appetit auf Süßes kommt, reicht manchmal anstelle eines Kekses ein gebackener Apfel mit Zimt oder Joghurt mit Nüssen – immer noch süß, aber ernährungsphysiologisch ganz anders.
Tipps, wie und was man saisonal essen kann, damit es auch in der Praxis nachhaltig ist
Saisonale Ernährung kann streng betrachtet werden – und endet dann oft in Frustration. Viel besser funktioniert sie als flexibles Regelwerk: Was lokal und saisonal erhältlich ist, hat Vorrang; was nicht erhältlich ist, wird nicht dramatisch behandelt. Besonders im Winter, wenn man natürlich auch zu Zitrusfrüchten oder Gewürzen greift, die hier nicht wachsen. Wichtig ist, dass die Saisonalität die Qualität der Ernährung unterstützt, nicht dass sie zu einem weiteren Druck wird.
Ein praktischer Tipp ist, saisonale Ernährung als Kombination aus Frischem und Lagerbarem zu betrachten. In unseren Breiten ist es im Winter realistisch, den Speiseplan auf dem aufzubauen, was gut gelagert werden kann: Kartoffeln, Wurzelgemüse, Zwiebeln, Knoblauch, Kürbis, Äpfel, und dazu Sauerkraut, fermentiertes Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreide hinzuzufügen. Frische kann durch Sprossen oder Kräuter im Blumentopf auf der Fensterbank ergänzt werden – ohne große Ansprüche.
Wenn der Artikel wirklich nützlich sein soll, hilft eine kurze Liste, die als Orientierungskarte genommen werden kann. Es ist kein Dogma, sondern eine Inspiration, was sich im Winter gut bewährt:
- Grundlage des Tellers: Wurzelgemüse, Kohl, Kartoffeln, Kürbis, Lauch (gebacken, gedünstet, Suppen)
- Eiweiß für Sättigung: Linsen, Bohnen, Kichererbsen, Eier, Quark/Joghurt, Tofu/Tempeh
- Clever Kohlenhydrate: Hafer, Buchweizen, Reis, Vollkornbrot in Maßen
- Fette und „Geschmackspunkte“: Nüsse, Samen, hochwertige Öle, Tahini
- Saisonale Süße: Äpfel, Birnen, getrocknete Pflaumen (eher in Brei und Backwaren als endloses Naschen)
Wenn dazu die einfache Regel „in jeder Hauptmahlzeit etwas Gemüse und etwas Eiweißhaltiges" hinzugefügt wird, entsteht ein System, das auch in einer hektischen Woche eingehalten werden kann.
Saisonale Ernährung ist nicht nur eine Frage des Einkaufs, sondern auch der Küchentraditionen. Es hilft sehr, „auf Vorrat zu kochen", weil Wintergerichte dies ermöglichen: Suppen, Eintöpfe, Hülsenfrüchte, geröstetes Gemüse. Wer im Kühlschrank eine Schale mit geröstetem Wurzelgemüse und gekochten Linsen hat, hat schon halb gewonnen – das Abendessen entsteht in wenigen Minuten. Und wenn auch die Nachhaltigkeit des Haushalts berücksichtigt wird, macht das auch bezüglich der Abfallvermeidung Sinn: Saisonale Zutaten können meist vollständig verwendet werden, Schalen für Brühe, Reste für Aufstriche oder als Auflauf.
Interessant ist, wie der saisonale Ansatz auch die Beziehung zum Geschmack verändert. Im Sommer sucht man oft Knackigkeit und Frische, im Winter eher Fülle und Wärme. Gewürze wie Kümmel, Majoran, Thymian oder Ingwer können aus einfachem Gemüse etwas machen, das „wie Essen" schmeckt, nicht wie eine Pflicht. Und genau hier lohnt es sich, die Qualität nicht zu unterschätzen: Wenn die Grundlage gut ist, muss sie nicht mit Zucker oder einer Tonne Salz übertrumpft werden.
Saisonale Ernährung wird oft auch mit lokalen Bauern und Gemeinschaftskisten verbunden. Nicht jeder hat diese Möglichkeit, aber auch ein einfacher Laden gibt Hinweise: Wenn Blumenkohl im Winter teuer und geschmacklos ist, während Kohl schön und erschwinglich ist, ist das ein Signal, dem es sich lohnt, zuzuhören. Und wenn man ein paar „Winterklassiker" lernt – etwa Kürbissuppe mit roten Linsen, Kohlsalat mit Apfel und Samen, geröstetes Wurzelgemüse mit Kräutern – beginnt die Saisonalität von selbst zu funktionieren, ohne großen Planungsaufwand.
Vielleicht das Angenehmste daran ist, dass saisonale Ernährung nicht nur gesundheitliche „Vorteile" auf dem Papier bringt. Sie bringt auch die einfache Freude daran, dass das Essen dem Wetter und der Tagesstimmung entspricht. Wenn es draußen friert und drinnen gebackenes Gemüse mit Knoblauch und Thymian duftet, ist das die Art von einfachem Komfort, die durch keinen Trend ersetzt werden kann. Und ist das nicht eigentlich die Antwort auf die Frage, die sich viele Menschen im Winter stellen – was essen, damit es dem Körper gut geht und es auch langfristig Sinn macht?